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Ultraorthodoxe besuchen LGBT-Zentrum in Tel Aviv

in Israel Zwischenzeilen

Es war eine furchtbare Nachricht für die LGBT-Gemeinschaft und alle Israelis, die an Gleichberechtigung und Toleranz glauben: Auf der Jerusalemer Pride-Parade stach ein orthodoxer Mann auf mehrere Menschen ein und tötete die 16-Jährige Shira Banki. Nun haben sich mitten in Tel Aviv Vertreter der ultraorthodoxen und LGBT-Gemeinde zum Dialog getroffen.

Das Zentrum für die lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Gemeinschaft in Tel Aviv (Bild: David Bachar/Haaretz)
Das Zentrum für die lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Gemeinschaft in Tel Aviv (Bild: David Bachar/Haaretz)

„Wir sind äusserst homophob“, erklärte einer der ultraorthodoxen Haredis in dem Treffen ehrlich, „Die Haredi-Gemeinschaft hat Angst vor Homosexuellen und ähnlichen Dingen. So lange, wie das in Tel Aviv stattfindet, ist das okay – aber es ist schrecklich, wenn sie nach Jerusalem kommen.“ Alle in dem Treffen anwesenden Religiösen verurteilten die Tat jedoch aufs Schärfste und betonten immer wieder, dass sie ihren Glauben darin nicht repräsentiert sehen.

Das ungewöhnliche Treffen konnte sicherlich keine Wunder wirken – die ultraorthodoxe Gemeinde kann und will Homosexualität nicht akzeptieren – aber das gegenseitige Kennenlernen ist ein erster hoffnungsvoller Schritt. Ein nächstes Treffen ist in dem orthodoxen Stadtteil Bnei Brak geplant.

Dieses Bild ging um die Welt: Ein orthodoxer Jude greift Besucher der Pride-Parade in Jerusalem mit dem Messer an (Bild: Screenshot Channel 2).
Dieses Bild ging um die Welt: Ein orthodoxer Jude greift Besucher der Pride-Parade in Jerusalem mit dem Messer an (Bild: Screenshot Channel 2).

Weitere Informationen:

Haredim besuchen LGBT-Zentrum in Tel Aviv (englisch), Haaretz, 09.08.15

Artikel über das Opfer Shira Banki (englisch), Ynet, 09.08.15

 

 

 

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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